Kontist Erfahrungen – das Geschäftskonto mit Steuer-Funktion im Test

Freelancerin testet Kontist Geschäftskonto am Laptop

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Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.

Geschäftskonto und Steuervorbereitung. Für die meisten Selbstständigen sind das zwei getrennte Baustellen. Kontist verspricht uns, beides in einer App zu vereinen. Die Idee: Du weißt jederzeit, wie viel von deinem Honorar wirklich dir gehört, und wie viel davon ans Finanzamt geht. Ich habe das Konto mehrere Monate mit echten Buchungen, Steuerautomatik und allem Drum und Dran getestet. Meine Kontist Erfahrungen teile ich hier mit dir, aber mein Fazit fällt gemischt aus.

Was ist Kontist? (Werbung) Kontist, seit 2025 unter dem Namen „Kontist by Shine“ der Shine Germany GmbH, ist ein Geschäftskonto speziell für Selbstständige und Freelancer mit integrierter Steuerautomatik. Die Banking-App berechnet automatisch deine Steuerlast und legt Geld dafür zurück. Belege werden per Foto erfasst und für die Steuererklärung vorbereitet.

Kontist Banking-App mit Steuerautomatik auf Smartphone

Warum ich Kontist ausprobiert habe

Eine Klientin schwärmte mir vor: „Das Konto rechnet meine Steuern automatisch aus, ich muss nur noch die Überweisung ans Finanzamt machen.“ Das klang für mich zu gut, um wahr zu sein. Ich wollte wissen, ob die Steuerautomatik hält was sie verspricht, oder ob sie am Ende mehr Verwirrung als Klarheit schafft.

Erste Eindrücke – Kontoeröffnung in 10 Minuten

Die Kontoeröffnung lief komplett per App mit Videoident ab. Innerhalb von 10 Minuten war ich durch. Zwei Tage später hatte ich die IBAN und konnte schon loslegen. Das ging deutlich schneller als bei klassischen Banken. Bei Neo-Banken ist diese Schnelligkeit heutzutage aber schon fast normal.

Die App selbst ist aufgeräumt gestaltet. Drei Hauptbereiche: Konto, Steuern, Belege. Kein Schnickschnack, keine verschachtelten Menüs. Das gefällt mir.

Was gut funktioniert – meine positiven Kontist Erfahrungen

1. Steuerautomatik mit Echtzeit-Berechnung

Bei jedem Geldeingang berechnet die App automatisch Einkommensteuer, Umsatzsteuer und, falls relevant, auch die Gewerbesteuer. Das Geld wird auf ein separates Steuerkonto (Unterkonto) verschoben. Du siehst sofort: „Von diesen 5.000 Euro bleiben mir 3.200 Euro zum Ausgeben.“

Um deinen persönlichen Steuersatz zu berechnen kommt Kontist mit einem hauseigenen Tool um die Ecke. Es nennt sich Taxator-Tool. Es leitet dich durch einen gut verständlichen Fragekatalog. Danach hast du zumindest einen groben, persönlichen Steuersatz, den Kontist dann für deine Steuerrücklagen ansetzt.

Das ist psychologisch genial. Viele Selbstständige geben zu viel aus, weil sie vergessen, dass vom Honorar noch Steuern abgehen. Kontist zwingt dich hier zur Disziplin.

2. Belegerfassung per Foto

Quittung fotografieren, Kategorie zuordnen, fertig. Die App erkennt per OCR automatisch Betrag und Datum. Bei etwa 80% der Belege klappt das gut. Die restlichen 20% musste ich nachkorrigieren, aber das geht normalerweise relativ schnell. Rechnungen, die ich via Mail bekam, konnte ich direkt an eine Kontist-Mail versenden, damit ich sie der jeweiligen Transaktion zuordnen konnte. Pluspunkt, weil so alles sauber abgebildet werden kann.

Alle Belege landen automatisch in einer Übersicht, die ich direkt ans Steuerprogramm oder den Steuerberater weiterreichen kann. Der Abruf kann jederzeit passieren. Kontist selbst achtet hierbei auf Revisionssicherheit und GoBD-Konformität. In Deutschland sind diese Punkte nicht zu verachten.

3. DATEV-Export funktioniert

Für Steuerberater die mit DATEV arbeiten: Der CSV-Export läuft sauber. Ich habe das mit einem Steuerberater ausgiebig getestet. Alle Buchungen werden korrekt übergeben und meine vorgegebene Kategorisierung passte. Ab dem Paket Start (11€/Monat netto) gibt es zusätzlich den MT940 Datev Export. Mit der Plus-Version für 25 €/Monat netto kannst du sogar deine BWA und deine Belege im Datev-Format exportieren.

4. sevdesk-Integration kostenlos inklusive

Was kaum jemand auf dem Schirm hat: Kontist liefert in jedem Tarif eine kostenlose sevdesk-Testphase direkt mit. Im Free-Tarif sind das 3 Monate, im Start-Tarif 6 Monate, im Plus-Tarif ein volles Jahr.

Das ist relevant, weil Kontist selbst kein vollwertiges Buchhaltungsprogramm ist (dazu gleich mehr). Die sevdesk-Integration federt genau diese Lücke ab, zumindest für eine Weile. Wer danach weiter mit sevdesk arbeiten möchte, zahlt regulär. Für Einsteiger ist das aber ein echter Mehrwert.

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Was mich stört oder sogar enttäuscht hat

Vergleich Geschäftskonto und Buchhaltungsprogramm für Selbstständige

1. Steuerautomatik ist nur eine Schätzung

Hier wird es kritisch. Die App rechnet mit Durchschnittssteuersätzen. Wenn du aber Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen oder Kinderfreibeträge hast, stimmt die Berechnung nicht mehr. Die App legt dann zu viel oder zu wenig Geld zurück.

Ich hatte einen Fall wo die App 32% Steuerlast angenommen hat, real waren es durch Abzüge nur 24%. Das Geld lag bis zur Fälligkeit damit „nutzlos“ auf dem Steuerkonto rum.

2. Keine echte Buchhaltung – nur Kategorisierung

Kontist ist kein Buchhaltungsprogramm. Es kategorisiert Einnahmen und Ausgaben, mehr nicht. Du bekommst keine EÜR, keine GuV, keine Umsatzsteuervoranmeldung. Dafür brauchst du trotzdem ein Tool wie sevdesk oder Lexoffice.

Das war für mich persönlich der größte Knackpunkt. Ich dachte nach den Werbeversprechungen, dass ich mir ein separates Buchhaltungsprogramm erspare. Fehlanzeige.

3. Die Tarife sind nicht so günstig wie sie scheinen

Kontist wirbt mit einem kostenlosen Konto, doch das Free-Modell hat Haken. Du brauchst mindestens 300 € Transaktionsvolumen pro Monat (eingehende plus ausgehende Zahlungen zusammen), sonst zahlst du 2 € monatlich.

Das größere Problem: Im Free-Tarif sind nur 5 SEPA-Transaktionen kostenlos. Jede weitere kostet 0,25 €. Bei 30 Überweisungen im Monat sind das schon 6,25 € Zusatzkosten. Da lohnt sich direkt der Start-Tarif für 11 €.

Die Tarifstruktur (Stand 05/2026):

  • Free: 0 € (ab 300 € Transaktionsvolumen/Monat, sonst 2 €) – 5 kostenlose SEPA-Transaktionen, danach 0,25 € pro Transaktion, nur virtuelle Karte
  • Start: 11 €/Monat – 30 kostenlose SEPA-Transaktionen, physische Visa-Karte inklusive
  • Plus: 25 €/Monat – 100 kostenlose SEPA-Transaktionen, BWA, Umsatzsteuervoranmeldung

Alle Preise netto zzgl. MwSt

Für viele Freelancer mit regelmäßigen Zahlungen wird das Free-Konto schnell teurer als gedacht. Dann zahlst du entweder drauf oder wechselst direkt auf einen kostenpflichtigen Tarif und 11 € für „Start“ sind nicht mehr „kostenlos“.

4. Eingeschränkte Banking-Funktionen

Kontist ist ein schlankes Konto und das merkt man. Manche Funktionen, die bei klassischen Geschäftskonten Standard sind, fehlen komplett

Was NICHT geht:

  • Lastschriften von Kunden einziehen – wenn du Abo-Modelle anbietest oder regelmäßige Zahlungen automatisch einziehen willst, geht das nicht. Du müsstest auf Drittanbieter wie GoCardless ausweichen.
  • Überweisungen in Fremdwährungen – nur SEPA im Euro-Raum. Für internationale Zahlungen brauchst du ein zusätzliches Konto wie Wise oder Revolut.
  • Bargeldeinzahlungen – komplett unmöglich. Für bargeldintensive Geschäfte ist Kontist nicht geeignet.

Was funktioniert:

  • Daueraufträge für ausgehende Zahlungen (z.B. Miete, Abos)
  • Lastschriften zahlen (z.B. Strom, Versicherungen)
  • SEPA-Überweisungen und Echtzeitüberweisungen

Für Solo-Selbstständige mit einfachen Zahlungsstrukturen reicht das. Wer aber regelmäßig Kundenzahlungen per Lastschrift einzieht oder international arbeitet, stößt schnell an Grenzen.

5. Partnerbank Solaris SE – ein Punkt den du kennen solltest

Kontist ist keine eigene Bank. Das Banking läuft über die Solaris SE, ein BaFin-reguliertes Unternehmen mit Vollbanklizenz. Deine Einlagen sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € geschützt. Das ist erstmal solide.

Was du trotzdem wissen solltest: Die Solaris SE stand zuletzt unter erhöhter BaFin-Aufsicht. 2024 gab es ein Bußgeld wegen Mängeln in der Geldwäscheprävention, 2025 ein weiteres wegen Meldeverstößen. Kein Grund zur Panik, denn dein Geld ist geschützt. Aber wer sein Geschäftskonto langfristig plant, sollte das auf dem Schirm haben.

Für wen lohnt sich Kontist wirklich?

(Werbung) Kontist passt für dich wenn:

  • Du Freelancer oder Einzelunternehmer bist mit überschaubaren, monatlichen Transaktionen
  • Du noch keinen Steuerberater hast und deine Transaktionen im Blick haben willst
  • Du ein simples Geschäftskonto suchst ohne Schnickschnack
  • Du Probleme hast Geld für die Steuer zurückzulegen

Kontist passt NICHT wenn:

  • Du bereits ein vollwertiges Buchhaltungstool nutzt (dann doppeln sich viele Funktionen)
  • Du einen Steuerberater hast der dir die Steuerlast eh ausrechnet
  • Du komplexere Banking-Funktionen brauchst (Lastschriften, Bargeld-Einzahlungen)
  • Du ein Geschäftskonto mit mehr Features suchst – dann ist (Werbung) Qonto einen Blick wert. Meine ehrlichen Erfahrungen dazu findest du hier: meine Qonto Erfahrungen 2026

Fazit – Kontist ist ein Einstiegsmodell mit Grenzen

Kontist macht eine Sache sehr gut: Es zwingt dich dazu, Steuern ernst zu nehmen. Die automatische Rücklagenbildung ist psychologisch clever und hilft gerade Einsteigern enorm.

Aber es ersetzt weder ein Buchhaltungsprogramm noch einen Steuerberater. Die Steuerautomatik ist eine Schätzung, keine Berechnung. Sobald deine Finanzen komplexer werden, stößt Kontist an Grenzen.

Mein Rat: Wenn du gerade erst selbstständig wirst und noch keine Buchhaltung aufgebaut hast, probier Kontist unbedingt aus. Die Free-Version reicht für den Anfang. Aber plane ein, dass du mittelfristig auf eine vollwertige Lösung wechselst.

Einen Überblick über die aktuell interessantesten Geschäftskonten für Selbstständige findest du in meinem großen Roundup-Artikel.

Häufige Fragen zu Kontist

Kann ich Kontist mit meinem Steuerberater nutzen?

Ja, der DATEV-Export funktioniert einwandfrei. Aber dein Steuerberater wird die Steuerautomatik-Funktion ignorieren und eigene Berechnungen machen. Das Geld auf dem Steuerkonto kannst du dann manuell freigeben.

Ist die Steuerberechnung von Kontist rechtlich verbindlich?

Nein. Kontist arbeitet mit Schätzungen basierend auf Durchschnittssätzen und einem eigenen Tool zur Berechnung. Die echte Steuerlast berechnet das Finanzamt in deinem Steuerbescheid. Kontist ist ein Hilfstool, keine Steuerberatung.

Kann ich mit Kontist Lastschriften von meinen Kunden einziehen?

Nein. Kontist unterstützt keine aktiven Lastschriften – du kannst also nicht automatisch Geld von Kundenkonten abbuchen. Das ist ein großer Nachteil wenn du Abo-Modelle anbietest. Du kannst nur selbst Lastschriften zahlen (z.B. für Versicherungen oder Abos). Für Kundenlastschriften müsstest du auf externe Anbieter wie GoCardless zurückgreifen.

Kann ich mit Kontist Umsatzsteuervoranmeldungen machen?

Ja und Nein. Mit der Plus-Version (25 €/Monat) kannst du deine Umsatzsteuervoranmeldung ans Finanzamt übermitteln. Hier würde ich aber Vorsicht gelten lassen, denn Kontist ist ein Bankkonto, kein Buchhaltungsprogramm. Auf Nummer sicher gehst du nur mit einem guten Buchhaltungsprogramm und richtig safe bist du mit einem Steuerberater.

Kontist Erfahrungen – Geschäftskonto mit Steuerautomatik im Test

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